5 Scheiben, 4 Ringe und ein Bob
Montag, den 22. Februar 2010 um 03:44 Uhr

Da wir Hunger hatten und sowieso beabsichtigten, irgendwann mal das Deutsche Haus in Vancouver zu besuchen, beschlossen wir, uns dort hin zu begeben. Für uns, die vorher schon am Cypress Mountain beim Snowboard zuschauen waren, war der Besuch im Deutschen Haus ein schöner Abendausklang.

 

Alles begann mit dem Shuttle. Das war kein herkömmlicher Bus, sondern ein Audi A6. Auf dem Rückweg sogar ein A6 Avant. Davon hatte ich schon ein paar Mal welche in Vancouver herumfahren sehen, konnte sie aber nicht so recht einordnen. Audi ist neuer Partner des DOSB und stellt bei den Winterspielen ihre Fahrzeuge als Shuttle-Service zur Verfügung. Das 200-PS-Geschoss brachte uns in „notime" zum Deutschen Haus, wo wir freundlich empfangen wurden. Zuerst wurden uns Akkreditierungen fürs Haus der Deutschen ausgestellt, dann konnten wir passieren. Eine Eintrittskarte für einen Tag in den „deutschen Etagen" der Simon Fraser University kostet den Besucher ca. 400 Euro, also nicht gerade ein Schnäppchen. Sofort begrüßte uns eine ehemalige Abitur-Mitschülerin von Paul, welche sich für uns zuständig fühlte und uns gleich alles zeigte.

 

Schnell die Sachen an der Garderobe abgegeben, saßen wir auch schon im Bob. Im Bob? Ja, im Foto-Bob! Ach, hatten wir Spaß, auch wenn uns der letzte Anschieber fehlte und wir nicht vom Fleck kamen. Neben Paul waren noch Tyson und Uwe mit dabei. Becks kam später noch nach. Nach dem Spaß-Foto-Shooting wurde uns die Athleten-Lounge gezeigt, in welcher sich die Sportler aufhalten können, um ungestört vor den Medien und anderen Offiziellen zu sein. Dort besteht auch ein Zugang zum Internet und Flat-TVs schmücken die Wände, um auf dem neusten Stand der Spiele zu bleiben. Das Geschehen hinter weiteren danebenliegenden Türen blieb uns verborgen. Zurück am Eingangsbereich entdeckten wir einen Schießstand. Doch erst musste auf der später zu versteigernden Bogner-Jacke des DOSB-Präsidenten Dr. Thomas Bach und einer großen Leinwand unterschrieben werden.

 

Am Schießstand versuchten wir unser Glück gleich mehrmals, nicht nur weil uns zwei junge Damen anlächelten, sondern weil mit jedem Treffer am Schießstand 2,50 EUR von Payback an die Deutsche Sporthilfe gehen. Leider schaffte es von uns Short-Trackern keiner, alle 5 Bälle im Ziel zu platzieren. Eigentlich zu größerer Leistung bereit, gingen wir trotzdem erst mal weiter uns ließen uns noch den Rest des Gebäudes zeigen. Zur Rechten befand sich der eigentliche Raum des Deutschen Hauses. Dort gab es eine Bar, Tische, Leinwände, Monitore und jede Menge mir bekannte und unbekannte Leute. Zu unserer Rechten entdeckten wir den Buffet-Raum. Das war unsere nächste Station in den Gängen des Deutschen Hauses. Gemütlich setzten wir uns in den großen Saal und stillten endlich unseren Hunger. Nebenbei lief das Eishockeyspiel der Russen gegen die Slowaken auf der großen Leinwand. Am Tisch neben uns saß eine Gruppe von Kanadiern in einheitlichen blauen Pullovern und fieberte mit jeder Chance der Mannschaften lautstark mit.

 

Nach dem Essen lief ich noch weiter in die Katakomben der Etage hinein. An der ersten Tür traf ich Uwe, der sich gleich vom Zahnarzt behandeln ließ. An der zweiten Tür sah ich das Schild von Bauerfeind, einem Partner des DOSB. Gleich trat ich ein und berichtete über Rückenschmerzen bei Staffelläufen. Diese Schmerzen, die sehr häufig während des Staffel-Trainings und bei Staffel-Wettkämpfen auftauchen, wollte ein Bauerfeind-Vertreter mit einer seiner zahlreichen Bandagen in den Griff bekommen. Nachdem ich viele davon ausprobierte, gab der Herr mir gleich eine mit. Beim Training auf dem Eis am nächsten Tag stellte ich aber fest, dass mir der Druck auf den Bauch durch den Beckengurt zu stark war und ich die Bandage somit nur außerhalb des Trainings verwenden kann. Trotzdem: Danke an Bauerfeind für die Austattung mit der Bandage.

 

Wieder zurück beim Essen genoss ich mein zweites Bier. Ja, auch das zweite fühlte sich sehr gut an! Schon eine ganze Weile hatte ich auf alkoholische Getränke verzichten wollen, damit ich fit und gestärkt in den Wettkampf gehe, aber da mir noch eine gute Woche bis zu den 500m blieben, entschied ich mich, mir zwei halbe Liter zu gönnen.

 

Auf dem Rückweg vom „Speisesaal" zur Garderobe wurden wir noch gebeten, einen Acer-Laptop zu unterschreiben und kamen danach wieder am Schießstand vorbei. Abermals konnten wir nicht anders, als Bälle zu werfen. Wir versuchten ganz oft, alle fünf Biathlon-Scheiben weißzuschießen, aber es gelang uns einfach nicht. Wir legten fest: Bevor nicht einer von uns alle fünf Scheiben getroffen hat, gehen wir nicht nach Hause. Die Damen am Schießstand versuchten uns mit Strafen zu motivieren: 5 Liegestütze pro Fehlwurf. Da machte der eine schon mal 5, 15 oder sogar 25 Stück bevor er weiterspielen durfte. Dann endlich! Becks traf alle fünf Scheiben und erlöste uns. Als Belohnung erhielt er einen blauen Pullover. Jetzt wussten wir, woher die Kanadier am Tisch ihre „Einkleidung" hatten.

 

Es war mittlerweile schon nach Mitternacht und wir verabschiedeten uns von allen. Der 4-Ringe-Shuttle brachte uns wieder zum 5-Ringe-Dorf zurück. Müde und leicht erschöpft legten wir uns in unsere Betten und schliefen in Gedanken an einen schönen freien Tag ein.

 

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