Scharf geschossen in Bulgarien
Donnerstag, den 18. März 2010 um 23:54 Uhr

Gestern waren wir Schießen. Da Miro sowieso gebürtiger Bulgare ist und sich in Sofia ganz gut auskennt, hat er für unser Team einen Nachmittag auf dem Schießstand organisiert. Viele von uns hatten schon richtige Waffen in der Hand, zumindest alle Polizisten und ausgebildete Soldaten. Ich gehörte zu den Wenigen, die noch nie Schusswaffen bedient hatten.

 

In Bulgarien scheint es aber keine oder nur sehr lockere Regelungen im Waffenrecht zu geben. Wir nahmen also drei Taxen und fuhren ein paar Kilometer zum Schießstand. Nach der ersten Tür traten wir in eine Bar. Etwas dunkel und düster aber nicht unheimlich. Doch dann kamen uns ein paar unheimliche Gestalten entgegen. Sie traten aus einem Hintertürchen hervor. Alle hatten einen kleinen Beutel in der Hand, trugen schwarze Lederjacken und besuchten scheinbar öfter als wir den Kraftraum. Schnell war allen klar: Die Jungs brachten ihre eigenen Waffen mit.

 

Nachdem Miro noch schnell alles abklärte, waren wir dran. Wir wurden durch die Hintertür geführt. Es erwartete uns ein kleiner kräftiger Mann in einem kleinen „kräftigen" Zimmer. Dort gab es einen Tresen mit Waffen unter der Glasplatte. Es waren Pistolen und für mich etwas ganz neues. Er öffnete das Schubfach und wir suchten uns vier Pistolen heraus, unter Anderem eine Walther P1 und einen Revolver mit sechs Kammern. Das war uns aber nicht genug. Wir wollten noch eine große Wumme haben. Miro übersetzte und der Herr holte eine Schrotflinte aus dem Schrank. Alle staunten nicht schlecht. Auch diese Waffe nahmen wir mit. Dann brauchten wir noch Munition. Wir bekamen, ich glaube, vier mit Patronen gefüllte Schachteln. Vor dem Zimmer nahm sich jeder noch einen Gehörschutz und dann ging's ab zum Schießstand.

 

Zwei Türen weiter wies der Herr uns alle kurz ein und Miro übersetzte für uns. Wir hängten noch die Papierzielscheiben auf und konnten dann endlich ballern. Alle waren gespannt auf den ersten Schuss und die Reaktion des Schützen, ich glaube es war Miro, der vorlegte. Es knallte sehr laut. Einfach beeindruckend. Nach und nach war jeder einmal am „Trigger". Da wir drei Bahnen zur Verfügung hatten, konnten wir fast alle vier Pistolen gleichzeitig bedienen. Erst noch schnell das Magazin mit sechs Patronen gefüllt, dann war ich dran. Die Pistole lag gut in der Hand. Mit Spannung erwartete ich meinen ersten Schuss aus einer Waffe am Abzug. Es knallte wieder einmal laut, ein wenig zuckte ich sogar zusammen, aber mit vorbereitetem und angespanntem Körper war es nur halb so schlimm. Die Waffe schlug zurück, blieb aber kontrollierbar. Die leere Patrone kam rechts nach oben herausgeflogen. Es war ein neues und interessantes Gefühl.

 

Noch einmal spannend wurde es, als die Schrotflinte in den Anschlag kam. Diesmal war Tyson der erste Schütze. Er drückte ab und war noch viel mehr beeindruckt, als schon kurz vorher bei den Pistolen. Wir hörten ein dumpfes „Wow" und alle waren aus dem Häuschen. Auch ich war später noch mit der Pumpgun dran. Auch meinen Körper schlug es ein paar Zentimeter zurück, trotzdessen ich mich stark gegen die Waffe drückte. Schon wieder ein Gefühl, dass man nicht alle Tage hat. Der Revolver beeindruckte mich aber immer noch am meisten. Ich zielte auf den Mittelpunkt der Scheibe und drückte ganz langsam ab. Das war definitiv die lauteste Waffe. Es war auch die einzige, die einen grellen Blitz verursachte. Sehr erstaunlich.

 

Nachdem jeder von uns einiges an Munition verballert hatte, verließen wir den Schießstand. Wir gaben die Ohrenschützer und die Waffen wieder ab und bezahlten die Munition. Ich bin sehr froh, dass nichts passiert ist, denn ich stellte sehr schnell fest, dass man mit einer Waffe in der Hand auch eine sehr hohe Verantwortung trägt. Alle von uns sind mit den Pistolen und der Schrotflinte aber sehr vorsichtig umgegangen und haben peinlich genau darauf geachtet, dass nichts schief gehen kann.

 

Aus meiner Sicht war es eine sehr interessante Erfahrung. Jedoch finde ich den Umgang mit echten Waffen hier in Bulgarien fahrlässig. Viel zu leicht könnte jemand die Waffen missbrauchen und großen Schaden anrichten. Wie meine Kameraden mir erzählten, wäre das in Deutschland niemals möglich, und schon gar nicht bei der Bundeswehr.

 

Aber schon bald, nämlich ab 6. April, werde ich zur achtwöchigen Grundausbildung nach Dillingen fahren und dort u. A. Schießübungen absolvieren müssen. Nur werde ich auf keinen Fall Munition nach Belieben verballern dürfen, schließlich ist auch alles eine Frage der Sicherheit!

 
 
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