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Am vergangenen Wochenende waren wir in Holland. Zum alljährlichen Invitation Cup lud der holländische Eisverband KNSB die Damen- und Herrenteams Hollands, Deutschlands, Ungarns und Großbritanniens ein. Neben einem weiteren holländischen (B-)Team, waren dann nur noch vereinzelte Läufer aus anderen Ländern am Start.
Zweck des Wettkampfs war es, das beste dieser vier eingeladenen Teams zu ermitteln. Dies sollte über fünf Strecken erfolgen: 1500m, Staffel (1), 500m, 1000m und Staffel (2). Die Einzelstrecken wurden im regulären K.O.-System ausgetragen, die Staffelläufe waren sozusagen beide Male Finals. Punkte sammelte man ausschließlich fürs Team. Man konnte höchstens sechs Sportler und eine Staffel an den Start schicken. Gewertet wurden immer nur die Ergebnisse der besten drei Läufer auf jeder Einzelstrecke. Jeder Strecken- und Staffelsieger bekam 1000 Punkte für sein Team, der Zweite 800, der Dritte 640 und gemäß Welt Cup-Punktesystem entsprechend die Weiterplatzierten.
Am Freitag machten wir uns mit zwei Kleinbussen auf den Weg nach Heerenveen. Nach unserer ca. siebenstündigen Reise und zweimaligem Verfahren gingen wir abends 18.00 Uhr noch zum Training aufs Eis. Anfänglich leider ohne Trainer. Mike und Guy mussten die Busse gleich nach der Anreise noch nach Groningen bringen und mit dem Zug nach Heerenveen zurückfahren. Die Teamführung war aber wenige Minuten nach Trainingsbeginn wieder zurück und übernahm die Leitung. Das Eis fühlte sich für holländische Verhältnisse gewohnt weich an. Nach einigen Runden aber konnte ich schon recht gut damit zurechtkommen. Wegen des am folgenden Tag beginnenden Wettkampfs war das Training schnell vorbei und wir hatten abends noch Zeit den Tag mit einem Brettspiel und viel Spaß ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen mussten wir nicht sonderlich zeitig aufstehen. Der Wettkampf begann gegen 10.30 Uhr. Wir starteten wie gewohnt mit der Ausdauerstrecke 1500m. Ich hatte einen guten Vorlauf und konnte mich gegen die anderen durchsetzen. Damit war ich fürs Halbfinale qualifiziert. Dort war schon von vornherein klar, dass es Stress geben würde. Einige gute Läufer trafen aufeinander und nur die besten zwei qualifizierten sich fürs Finale, der Dritte und Vierte fürs B-Finale. Wenige Runden vor Schluss gab es eine kleine Rangelei und viele Läufer berührten sich, ohne dass es einen von uns wirklich benach- oder bevorteilte. Ich fühlte mich im Lauf zwar wie hin und her geschubst, sah aber keinen Grund für eine Strafe. Die Schiedsrichter berieten sich nach dem Rennen über dessen Regelkonformität. Dann gaben sie den Trainern bekannt, dass ein Holländer wegen eines unfairen Überholmanövers disqualifiziert werden wird. Die Trainer diskutierten und rechtfertigten das Verhalten der eigenen Sportler mit Fehlverhalten anderer Sportler. Dabei kam dann anscheinend auch mein Name zum Vorschein. Wieder berieten sich die Richter und die eigentlich schon gefällte Entscheidung wurde revidiert. Am Ende stand hinter meinem Namen ein großes „P" für Penalty (Strafe/Disqualifikation). Ich wusste nicht warum, aber damit musste ich jetzt leben. Auch war mir nicht klar, warum sich die Unparteiischen auf dem Eis von den Trainern dermaßen stark beeinflussen ließen, dass sie bereits betroffene Entscheidungen wieder ummünzten. Eine bisher weniger gängige Praxis. Somit stand auf meiner Habenseite ein etwas enttäuschender 18. Platz über 1500m. Meine Punkte wurden nicht angerechnet, da andere drei Deutsche besser waren als ich. Die Punktetabelle findet ihr weiter unten!
Am gleichen Tag standen noch die Vorläufe über 500m, 1000m und das erste Staffelfinale auf dem Plan. Über beide Einzelstrecken konnte ich mich direkt für die Viertelfinals am Folgetag qualifizieren. Die Staffel stellten wir mit Paul, Torsten, Becks und mir. Nach einem Sturz der Holländer etwa nach der Hälfte des Rennens setzten wir uns mit den Briten ab. Die Ziellinie überquerten wir vor Großbritannien als erstes und sicherten uns die ersten dicken 1000 Punkte. Der Wettkampftag war zuende. Im 4-Sterne Hotel Heidehof angekommen, mussten wir gleich Abendessen und freuten uns über ein paar entspannte Stunden Ruhe vor dem Schlafengehen.
Der zweite Tag brach an und holte uns etwas eher aus den Betten. Heute wollte ich es auf dem Eis etwas besser machen. Wieder konnte ich mich im Viertelfinale über 500m durchsetzen und qualifizierte mich fürs Halbfinale. In diesem merkte ich bereits, wie ausgebrannt meine Beine waren. Trotzdem glitt ich als Zweiter über die Ziellinie und war fürs Finale qualifiziert. Dort wollte ich natürlich gewinnen. Doch ich wusste, dass meine Beine dem nicht gerecht werden konnten. Den Start gewann ich noch und konnte meine Führungsposition erst einmal beibehalten. Dann wurde ich überholt. Dann nochmal. Als mäßig glücklicher Drittplatzierter konnte ich 640 Punkte fürs Team klarmachen. Dann hatte ich endlich erst mal Pause, denn die Repechages über 1000m waren dran, an welchen ich nicht teilnehmen musste.
Die letzte Einzelstrecke war an der Reihe. Fürs Viertelfinale war ich bereits vom Vortag qualifiziert. Bis kurz vor Schluss konnte ich mich gut durchsetzen, musste dann aber auf der letzten Runde meine Gegner passieren lassen. Als Dritter auf der Ziellinie und Streckenelfter konnte ich keine Punkte in die Teamwertung einbringen. Paul erreichte einen respektablen zweiten Platz und damit das beste deutsche Einzelergebnis des Wochenendes.
Zum Abschluss stand noch die 2. Staffel auf dem Plan. Wir liefen wieder mit Paul, Becks, Torsten und mir. Als die ersten ca. 16 Runden geschafft waren, stürzte ein Holländer. Dieser stand aber nicht sofort wieder auf, sodass das Rennen aus Sicherheitsgründen abgebrochen wurde. Die Trillerpfeife der Schiedsrichter ertönte und alles hörte auf zu rennen. Wir schauten uns um. Der Holländer lag immer noch auf dem Eis und krümmte sich am Boden. Einige Rettungskräfte, Ärzte, Physiotherapeuten und Schiedsrichter waren zur Stelle und umringten ihn. Nach wenigen Minuten konnte er aber wieder aufstehen und stellte sich mit schmerzverzogenem Gesicht zu seinem Team. Die Holländer mussten das Eis verlassen, weil sie die Ursache für den Rennabbruch waren. Dieses Team muss disqualifiziert werden und darf an der Neuauflage nicht mehr teilnehmen. Anschließend wurde das Rennen neu gestartet und die Rundenanzeige kletterte wieder auf 45. Diesmal waren nur die Insel-Europäer, die Ungarn und wir auf dem Eis. Die Ungarn konnten schon nach wenigen Runden nicht mehr mithalten. Mit den Briten lieferten wir uns einen Kampf um den ersten Platz. Bis zur letzten Kurve konnten wir die entstandene Lücke zu den Briten immer wieder schließen. Kurz vor der letzten Kurve überholten wir sie und konnten den minimalen Vorsprung halten. Der Schlussläufer der Briten konnte dem Druck der Schräglage nicht mehr entgegenwirken und stürzte am Kurveneingang. Wir gewannen auch diesen Staffellauf beim Invitation Cup 2011 in Heerenveen. Alle Ergebnisse findet ihr nach dem Klick auf die Grafik.
Bei der Siegerehrung der Teams bekamen wir die Silbermedaille um den Hals gehängt. Die bereits abgereisten Briten durften sich über Gold (6046 Punkte) freuen, die Holländer über Bronze (3457 Punkte). Auch eine Einzelwertung der besten Läufer des Teamwettkampfs wurde durchgeführt, allerdings fand dabei die herkömmliche Finalpunktewertung Anwendung. Diese gewann der Russe Semion Elistratov. Paul war als bester Deutscher Fünfter vor mir als Sechstem. Bei den Damen gewann Holland (6892 Punkte) vor Ungarn (4463 Punkte) und Deutschland (1253 Punkte) die Teamwertung. Beste Deutsche war Julia mit ihrem 10. Platz in der Gesamtwertung. Gewinnerin war Elise Christie aus Großbritannien.
| 1500m |
500m |
1000m |
Staffel (1) |
Staffel (2) |
| 8. Paul, 210 |
3. ich, 640 |
2. Paul, 800 |
1. Platz, 1000 |
1. Platz, 1000 |
| 14. Hannes, 55 |
9. Becks, 168 |
7. Becks, 262 |
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| 17. Christoph, 28 |
20. Paul, 25 |
10. Hannes, 134 |
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Nach dem Wettkampf durften wir wieder in unserem Hotel Restaurant zu Abend essen. Als Wochenendhöhepunkt stand nach dem Essen das traditionelle Heerenveener Gokartfahren auf dem Programm. Die Kartbahn befindet sich direkt hinter der Eishalle, keine 10 Minuten Gehweg vom Hotel entfernt. Nachdem wir unsere Helme samt Sturmhauben übergestülpt hatten, war keiner mehr zu bremsen. So hatten wir noch einen schönen Ausklang des angenehmen Teamwochenendes in Holland. |