EM 2012: 500m Holzmedaille + Staffel-Bronze
Dienstag, den 31. Januar 2012 um 14:04 Uhr

Den zweiten und dritten Tag der Europameisterschaften 2012 in Mlada Boleslav konnte ich als erfolgreich verbuchen. Auch wenn ich am Ende nicht ganz das erreicht habe, was ich mir vorgenommen hatte.

 

Nach den samstäglichen Preliminaries und Heats über 500m folgte das Viertelfinale und Halbfinale. Diese vier Rennen beendete ich als Sieger, teilweise mit der schnellsten Zeit. Ich hatte ein gutes Gefühl, nur meine Beine wurden immer schwächer. Aber das ging meinen Gegner bestimmt auch so.

 

Schließlich stand ich im Finale, hier auf Position zwei. Den Start konnte ich noch gewinnen. Dann ging das Gerangel los. Ich habe selten so ein spannendes 500m-Rennen miterlebt. Schon auf der Gegengeraden geschah das erste Überholmanöver. Dann schon das nächste. Schließlich war ich eine halbe Runde vor Schluss zweiter und die Reihenfolge fürs Ziel stand schon so gut wie fest. Doch weit gefehlt. In der letzte Kurve stürzte ich (schon wieder, wie bei den Welt Cups in Salt Lake City (USA) und Nagoya (JPN)), weil mein Körper scheinbar in Rücklage kam und es meine Hüfte nach außen verdrehte. Meine Kufen stellten sich quer und brachten mich zu Fall. Ein Foto, das während des Sturzes aufgenommen wurde, könnt ihr bei Yahoo beSTAUNEN!. Dabei erwischte ich noch den hinter mir laufenden Briten, der dadurch auch zu Fall kam. Der Inseleuropäer rutschte allerdings, im Gegensatz zu mir, noch über die Ziellinie. Ich erwischte die Bande weit vor der Ziellinie und sah die anderen drei von Weitem die Linie überqueren.

 

Ich blieb erstmal auf dem Eis liegen und konnte es nicht fassen. Schon wieder war ich im Finale gestürzt und Vierter geworden. Nach wenigen Sekunden stand ich auf und glitt durchs Ziel. Wieder musste ich direkt vor der Siegerehrung das Eis verlassen und zusehen, wie meinen Gegnern die Medaillen überreicht wurden. Kein schönes Ende dieses Finals. Aber ich bin trotzdem ein bisschen stolz, das Finale erreicht zu haben. Auch wenn dabei wieder kein Edelmetall für mich herausgesprungen ist.


Danach durfte ich noch in der Staffel ran. Das Rennen gegen Russland und Polen war zügig. Lange führten wir die Teams an. Dann überholte uns Russland und kurz vor Schluss sogar die Polen. In den letzten zwei Runden schafften wir es dann aber noch, uns gegen Polen durchzusetzen und kamen als zweiter ins Ziel. Wir waren fürs Finale am Sonntag qualifiziert.

 

Mit den 1000m am Sonntag war ich zufrieden. Ich bin über die Vorrunde hinausgekommen und wollte im Viertelfinale alles geben. Es war ein schwerer Lauf für mich als Sprinter. Ich bekam es mit starken Gegnern zu tun. Verstecken wollte ich mich allerdings nicht. Das Viertelfinale gestaltete ich aktiv mit. Ich führte ein paar Runden, mischte vorn mit und kämpfe um jede Position. Auf den letzten zwei Runden fehlten mir dann aber die Kräfte, um mich als mindestens Zweiter ins Ziel zu bringen. Ich wurde Vierter und war ausgeschieden. Dennoch war ich mit dem Ergebnis zufrieden, gerade weil ich mich nicht von Beginn an aufgegeben hatte. In der 1000m-Streckenwertung stand vor meinem Namen schließlich ein 16. Platz.

 

Im Gesamtklassement rutschte ich mit meinen 8 Finalpunkten vom Vortag nach dem 1000-Finale vom 7. auf den 10. Platz ab. Die besten acht Finalpunktler mussten nach den Einzelstreckenfinals noch über 3000m im SuperFinale an den Start. An diesem großen Finale wollte ich natürlich auch teilnehmen. Doch die Punktetabelle nach drei Strecken ließ dies nicht mehr zu. Hätte ich am Samstag über 500m einen Medaillenplatz errungen, wäre sicherlich das große Finale drin gewesen. Aber so war ich gezwungen zuzusehen.

 

Das wirklich Traurige an der Sache war aber, dass die besten acht Sportler bei der EM für ihr Land einen dritten Startplatz für die kommenden Europameisterschaften erhalten. Da wir dieses Jahr nur zwei Plätze hatten (auch keine TOP-8-Platzierung 2011!), hätte ich gern einen dritten für die nächsten Meisterschaften in Malmö (SWE) herauslaufen wollen. Das war aber mit meinem 10. Platz (und Pauls 9. Platz) nicht möglich. Knapp vorbei ist eben auch daneben.

 

Wieder im letzten Lauf des gesamten Wettkampfes bat die ISU die Herrenstaffeln aufs Eis, welche sich am Samstag fürs Finale qualifiziert hatten. Dazu gehörten auch wir Deutschen. Wir wollten das Rennen zügig beginnen und die Geschwindigkeit hoch halten. Das gelang uns sehr gut. Ein mehrmaliges, gegenseitiges Überholen mit den gegnerischen Teams machte das Rennen zum Ende hin spannend. Niemand wollte den Anderen etwas schenken. So hatten auch die Briten nicht vor, Geschenke zu verteilen. Beim Überholmanöver der Briten gegen uns brachten sie uns zu Fall. Genau drei Runden vor Schluss. Diesen Rückstand konnten wir nicht mehr aufholen und kamen erst als abgeschlagener Vierter ins Ziel. Die Schiedsrichter allerdings hatten das unsaubere Manöver auf ihren Dokumenten festgehalten und entschieden genau richtig: Disqualifikation für Großbritannien. Also standen wir am Ende des Tages doch noch auf dem Treppchen, wenn auch auf der untersten Stufe. Wahrscheinlich wäre sogar noch eine Stufe weiter oben Platz für uns gewesen. Doch in einem Finale gibt es keine Advancements in die nächste Runde. Und selbst in den letzten drei Runden kann eben noch viel passieren, so ist das im Short-Track!

 

Die Ergebnisse im Überblick: Die Herrenstaffel holte Bronze, die Staffel der Damen belegte den 4. Platz, Paul wurde 9., ich 10., Bianca 11. und Christin 13., alles in allem aus meiner Sicht gute Ergebnisse. Die kompletten Ergebnistabellen findet ihr wieder beim ISU-Ergebnisdienst.

 

Ich möchte mich hier nochmals persönlich beim Fernsehsender ARD bedanken. ARD hat an allen drei Wettkampftagen aufgezeichnet und mehrere exzellente Filme geschnitten. Sogar wurde unsere Sportart LIVE im Fernsehen übertragen. Diese Aufzeichnungen könnt ihr (wahrscheinlich nur noch kurze Zeit) über die ARD-Mediathek abrufen.

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