| Wer gewinnen will, muss bereit sein zu verlieren! |
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Mittwoch, den 15. Februar 2012 um 15:30 Uhr
Nach diesem Prinzip bin ich am Sonntag über 500m in mein viertes A-Finale der Saison gegangen. Ich wollte gewinnen. Das gebe ich ganz offen zu! Vielleicht meint der ein oder andere, dass dieses Ziel für einen deutschen Short-Tracker einfach ein Stückchen zu weit weg sei. Doch ich bin davon überzeugt, endlich an der Weltspitze angekommen zu sein. Zu verstecken brauchte ich mich dort nicht.
Doch der Reihe nach: Nachdem wir am Samstagabend mit der Staffel nach einem Sturz nur das B-Finale erreicht hatten, waren wir natürlich traurig. Die anfänglich triste Stimmung wollte ich schnell vergessen, nach vorn blicken! Doch die Krämpfe in meinen Beinen vom anstrengendsten Staffel-Lauf meines Lebens ließen die Erinnerungen nicht so schnell weichen. So entschied ich mich, ein ordentliches Cooldown nach dem Wettkampftag anzusetzen und sicherte mir zusätzlich noch Uwe, um den Tag mit einer ausgiebigen Runde Gymnastik und Dehnung abzuschließen. Eigens entwickelte „Lebensübungen" unseres Physios, wie die Kobra oder der Verkehrspolizist halfen mir wirklich, meine Muskeln zu entspannen, obwohl die Uhr nur noch zwei Stunden bis Mitternacht zeigte. Hundemüde und erschöpft fiel ich ins Bett.
Am Sonntag konnte ich länger schlafen. 14:00 Uhr war scharfer Start der Viertelfinals über 500m. Und ich fühlte mich wieder fit. Die Beine vom Vortag waren wie ausgewechselt. Das Viertelfinale war machbar, aber nicht einfach. Ich setzte mich hinter dem Kanadier nach dem Start an zweite Position. Nach drei Runden überholte ich ihn. Genau in diesem Moment kam er aber ins Straucheln und berührte mich dabei. Ich hatte schon Angst, er würde mich zu Fall bringen oder mich zumindest am Überholmanöver hindern, doch ich konnte mich von ihm lösen, sodass ich am Kurveneingang vorn war. Die restlichen knapp 200m legte ich ohne Probleme zurück und kam als Erster ins Ziel. Viertelfinale geschafft.
Dann war das Halbfinale dran. Wieder gegen den US-Amerikaner aus dem Viertelfinale und amtierenden 500m-Weltmeister von Sheffield 2011. Ich startete gut, führte viereinhalb Runden und kam als erster ins Ziel. Bis auf die letzte Kurve, in der ich einmal kurz tief durchatmen musste, ging alles glatt. Am Ausgang vor der Zielgeraden hatte ich plötzlich keinen Gripp mehr. Meine Kufe rutschte ein paar Zentimeter übers Eis und griff anschließend wieder. Mit einer kleinen Verzögerung also gewann ich auch mein Halbfinale.
Jetzt wollte ich endlich gewinnen. Ich war bereit dafür. Bereit um den Sieg zu kämpfen. Silber oder Bronze wollte ich nicht! Gold sollte es sein. Und so lief ich auch! Der Startschuss war zu hören. Meiner Meinung nach verursachte der US-Amerikaner neben mir auf Bahn zwei einen Fehlstart, da er einen Tick zu zeitig seinen ersten Schritt setzte. Aber der Starter bestrafte diesen Vorsprung nicht. Also ging es los. Ich war Erster in der Kurve, konnte dann gut Geschwindigkeit aufbauen. Nach zwei Runden in Führung wurde ich vom Amerikaner überholt. Doch so leicht wollte ich ihm diesen „vorweggenommenen Sieg" nicht schenken. Ich setzte zum Gegenüberholmanöver an. Gleich am Ausgang der nächsten Kurve versuchte ich es innen. Der dunkelblau Gekleidete drückte mit seinen Armen auf der Geraden, um mir das Überholen zu erschweren. Ich setzte mich durch und war der Erste in der Kurve. Doch ungefähr am Scheitelpunkt passiere es schon wieder. Ich verlor den Boden unter den Kufen und rutschte weg. In Führung liegend stürzte ich knapp zwei Runden vor Schluss und musste den Anderen zusehen. Mit einer Runde Verspätung kam auch ich als Vierter ins Ziel.
Was soll ich dazu noch schreiben? Schon das vierte Mal, dass ich im A-Finale stürze und Vierter werde. Irgendwann muss doch mal ein kleines Stück Edelmetall drin sein. Vielleicht ja beim nächsten Mal?!
Im Anschluss galt's noch das Staffel-B-Finale gegen die USA und China zu absolvieren. Wir liefen ein gutes Rennen, holten immer wieder entstandenen Rückstand auf, überholten und wurden überholt. Doch zum Schluss des Rennens konnten wir der Geschwindigkeit der gegnerischen Teams nicht mehr standhalten und überquerten die Ziellinie als Dritter. Damit wurden wir Siebenter in Holland. Schon vor dem B-Finale war klar, dass wir nicht mit einer Staffel zur WM nach Shanghai fahren dürfen. Anstelle von Beck's, der am Sonntag bereits sechs Mal 1000m gelaufen war, setzte Mike Daniel ein. Wir (Paul, Torsten, Daniel und ich) gaben alles. Trotzdem reichte unser siebenter Platz nicht aus, um zur WM zugelassen zu werden. In der Welt Cup Gesamtwertung wurden wir Neunter. Nur die besten acht Teams erhielten die Tickets für Shanghai.
Das Welt Cup Finale im holländischen Dordrecht war der für mich bislang erfolgreichste Welt Cup. Mit einem vierten Platz über 500m und einem elften Platz über 1000m bin ich sehr zufrieden. Doch ich weiß auch, dass in mir noch mehr steckt und wartet loszulegen. Ich möchte endlich eine Einzelstreckenmedaille gewinnen und über 1000m meine physischen und taktischen Möglichkeiten weiter herausfordern.
Auch das gesamte Team war noch nie besser, als bei diesem Welt Cup in Holland. Abgesehen von der Nichtqualifizierung der Damen- und Herrenstaffeln für die WM (Saisongesamtbetrachtung!) hat uns Mike in zwei C-Finals, sechs B-Finals und ein A-Finale gebracht. Diese ist schon eine besondere Leistung und zeigt den Fortschritt innerhalb Deutschlands. Sicherlich müssen für diese Ergebnisse manchmal Opfer gebracht werden. Das Ausscheiden aus der Staffel-WM-Quali ist für mich aber verkraftbar, schließlich ist Mike zurzeit in der Aufbauphase für die Olympischen Spiele in Sotschi 2014. Und meiner Meinung nach steht Short-Track in Deutschland im Zeichen des Aufwinds. Einen herzlichen Glückwunsch auch an die TOP-10-Platzierten Beck's (7. 1000m), Bianca (8. 1000m) und Paul (8. 500m)!
In der Gesamtwertung aller Welt Cups über 500m 2011/2012 schaffte ich ebenfalls mein bisher bestes Ergebnis. Mit einem achten Platz nach sechs Welt Cups bin ich sehr zufrieden. Von den acht Möglichkeiten auf der Sprintstrecke Punkte zu sammeln, habe ich drei Mal den vierten Platz (512 Punkte) und einmal den 11. Platz (107 Punkte) erreicht. Dazu muss ich erwähnen, dass der zweite Welt Cup der Saison im kanadischen Chicoutimi stattfand. Dort war ich einfach nicht in der Lage, über die Erinnerungen an meine schwere Verletzung von 2006 hinwegzusehen. Ich lief etwas zurückhaltender als sonst und konnte mein volles Potenzial nicht ausschöpfen. Weiterhin wurde ich zwei Mal disqualifiziert, im eben erwähnten Chicoutimi auf der zweiten 500m-Strecke und in Moskau durch zwei Fehlstarts. Am vierten Welt Cup in Shanghai haben wir gar nicht erst teilgenommen, obwohl dort ebenfalls zwei Mal 500m auf dem Programm standen. Effektiv habe ich also bloß an vier von acht möglichen 500m Wettkämpfen Punkte gesammelt. Maximal sechs Ergebnisse werden in die Gesamtwertung einbezogen. Ein besseres Ergebnis wäre also durchaus möglich gewesen. Doch Umwelteinflüsse werden in Welt Cup Gesamtwertungen eben nicht erfasst. Trotzdem blicke ich auf eine sehr lehrreiche Welt Cup Saison zurück, die an viele Erfolge geknüpft war, aber auch einige Reserven bereit hielt. Ich konnte sehr viel lernen und die Gesamtheit meiner Erfahrungswerte erheblich erweitern.
Alle Videoaufnahmen des Samstag- und Sonntagnachmittag findet ihr wie gewohnt im ISU Skating Channel! |














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