Vancouver, ich komme!
Sonntag, den 15. November 2009 um 02:59 Uhr
olympia_klein.gif
Heute war einer der erfolgreichsten Tage meiner Short-Track-Karriere. Aber womit fange ich an?
Beginne ich mit
- dem Olympia-Ticket für Vancouver, welches ich mir mit dem Einzug ins Viertelfinale erlaufen habe
- dem 5. Platz über 500m beim Welt Cup in Marquette
- dem 14. Platz im Gesamt-Welt-Cup über 500m der aktuellen Saison
- meiner persönlichen neuen Bestzeit über 500m oder mit
- dem neuen deutschen Rekord von 41,258 sec über 500m?
Nein, zu Beginn möchte ich sagen:
Eric, thanks for coaching me!!
Es war ein spannender Tag für mich. Schon als wir in Marquette, Michigan (USA), am Dienstag zum Training aufs Eis gingen, hatte ich endlich mal ein gutes Gefühl unter den Kufen. Das Eis hier in Marquette ist einfach spitze. Es ist schnell und stabil, das ganze Gegenteil zum Eis in Montreal (KAN). Ich konnte mich endlich wieder explosiv und kraftvoll abdrücken, ohne dass das Eis ständig unter mir bricht und ich immer langsamer werde. Nicht ohnehin gilt das Eis im „Berry Events Center“ von Marquette als weltrekordverdächtig.
Die erste 500m-Runde (Races) am Donnerstag lief ich noch relativ vorsichtig, weil ich immer noch den Eindruck von Montreal im Hinterkopf hatte. Eric machte mir jedoch kurz darauf klar, dass ich mehr Druck machen muss, um das Viertelfinale zu erreichen und somit die Olympia-Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes für einen Einzelstartplatz zu erfüllen. Im zweiten Rennen setzte ich dies um und gewann meinen Lauf der Pre-Preliminaries. Zugleich war dies die erste neue persönliche Bestzeit (41,867 sec) über 500m an diesem Wochenende von mir. Die folgende Runde ist immer die magische Runde, bei welcher über „am Samstag habe ich frei/oder auch nicht“ entschieden wird. Hinter Yoon-Gy Kwak kam ich als Zweiter ins Ziel und hatte nun am Samstag NICHT frei.
Ab diesem Moment stieg mein Puls kräftig an. Nicht weil das Rennen so schnell war, sondern weil die Aufregung mich trieb. Denn ab dem Zeitpunkt wusste ich: Nur noch einmal weiterkommen und dann habe ich mein DOSB-Kriterium für Vancouver im Einzel erfüllt. Ich war also bis heute beim Viertelfinale total aufgeregt. Als ich als Dritter die Ziellinie passierte, wusste ich nicht, ob es gereicht hatte. Der Grund: Es kamen 4 von 6 zeitschnellsten Dritten in die nächste Runde. Mit einer Zeit von 41,678 sec. (wieder neue persönliche Bestzeit) erreichte ich das ersehnte Viertelfinale. Damit erreichte ich einerseits die Norm des DOSB, andererseits fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Jetzt war ich von aller Last befreit und wusste, ich habe es geschafft, das Ticket für Vancouver 2010 habe ich in der Tasche.
Was nun folgte war nur Zugabe. Im Viertelfinale musste ich mit Position drei auf der Startlinie vorliebnehmen. Mit einem schnellen Start konnte ich mich aber direkt hinter dem Koreaner Si-Bak Sung einordnen und lief bis zur letzten Kurve des Rennens an dieser Position. Ich wusste, Apolo Anton Ohno (USA) musste überholen, um sich fürs Halbfinale zu qualifizieren. Da er mich wider Erwarten nicht eine Runde vor Schluss überholte, wusste ich genau, er wird es auf der Geraden gegenüber vom Ziel probieren. Also versuchte ich, den Kurvenausgang eng zu laufen, um ihm nur noch eine geringe Chance für ein Überholmanöver zu bieten. Er wagte es, ich sah ihn und steuerte direkt auf den ersten Klotz der letzten Kurve zu. Er kam an mir vorbei, jedoch nicht, ohne mich aus der Kurve herauszudrücken. Ich glitt den großen Bogen noch zuende (der Kanadier überholte mich dadurch ebenfalls) und wurde Vierter. Aus meiner Sicht vollzog Ohno sein Überholmanöver nicht, ohne mich zu behindern, die Schiedsrichter sahen das ebenso. Also wurde ich trotzdessen ich als viertes die Ziellinie überquerte in die nächste Runde advanced und Ohno disqualifiziert.
Im Halbfinale stand ich nun ganz außen auf Position 5. Neben mir stand der Kanadier des Viertelfinals. Auf der Startgeraden konnte ich gleich eine Position gut machen und ging als vierter in die zweite Kurve. Zwei Runden später hörte der andere Kanadier vor mir auf zu laufen. Es sah aus, als ob der Schliff seiner Kufen auf einmal weg war. Das kam mir zugute. Ich war dritter und es waren noch 2 Runden zu laufen. Ich schloss die entstandene Lücke zum Koreaner und Chinesen vor mir fast auf. Die Kräfte reichten aber nicht ganz aus. Mit einer Zeit von 41,289 sec. (wieder neue persönliche Bestzeit und Deutscher Rekord) wurde ich Dritter und qualifizierte mich fürs B-Finale. Das war ein tolles Gefühl. Zum ersten Mal erreichte ich den Endlauf eines Welt Cups.
Da ich die schnellste Zeit im Halbfinale hatte, stand ich im B-Finale auf der Pole Position. Nun wollte ich noch mal alles geben und gewinnen. Ich hatte nichts mehr zu verlieren, die TOP-7 hatte ich sowieso sicher. Mit einem Start-Ziel-Sieg und einer Zeit von 41,258 sec. (wieder neue persönliche Bestzeit und wieder Deutscher Rekord) gewann ich das B-Finale und wurde 5. über 500m in Marquette.
Der 5. Platz ist das beste Welt-Cup-Ergebnis, das ich bisher erreicht habe. Im Gesamt-Welt-Cup konnte ich somit 410 Punkte auf meinem Konto verbuchen und erreichte einen hervorragenden 14. Platz, womit ich überaus zufrieden bin. Alle Ergebnisse natürlich wieder auf der offiziellen Ergebnisseite der ISU.
Morgen stehen nun noch die Staffel-Läufe auf dem Plan. Jetzt hat die Staffel für mich natürlich die oberste Priorität und ich werde alles geben, damit wir als komplettes Team zu den Olympischen Spielen nach Vancouver fahren können.
img5063
img5063
img5086
img5146
img5170
Torsten, danke für die Fotos vom Welt Cup in Montreal!
 
 
JOOMLA TEMPLATES Joomla Templates By JoomlaBear